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Beim Barte des Propheten

6. Mai 2012

Casus Belli: Eine Karikatur des „Propheten“ Mohammed von Kurt Westergaard*

Zu den islamistischen Ausschreitungen in Bonn

Nun ist es passiert. Der Terror, den die radikal islamischen Salafiten bislang nur innerhalb der muslimischen Communities verbreitet haben, hat sich gestern Nachmittag für alle sichtbar auf den Straßen von Bonn gewaltsam entladen. Anlass dafür bildete der Versuch von 29 Aktivisten der ausländerfeindlichen Partei Pro NRW, einige Karikaturen des „Propheten“ Mohammed vor der König-Fahd-Akademie in Bonn zu präsentieren.

Wie schon am 1. Mai in Solingen, einer vorherigen Station der provokativen NRW-Landtagswahlkampagne von Pro NRW, explodierte der dieses Mal etwa vierhundertköpfige islamistische Mob exakt in dem Moment, in dem er den verhohnepiepelten „Propheten“ erblickte. Und wie schon in Solingen konnte die Polizei nur mit dem massiven Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken den Lynchmord an den Rechtspopulisten verhindern. Noch Stunden nach der Kundgebung wüteten Salafiten in anderen Teilen der Stadt [1].

Die vorläufige Bilanz in Bonn: 109 festgenommene Islamisten, 29 verletzte Polizisten, davon mindestens zwei durch Messerstiche. Eine Mordkommission ermittelt.

Auch Moussa Acharki, Vorstand des Rats der Muslime Bonn sowie Bundesvorstand der islamistischen Partei Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG), ist von diesen Szenen mitgenommen. Seit Jahren insistiert der 36jährige Bonner, dass Islam doch Frieden sei, wohl auch, weil er weiß, dass eine beachtliche Minderheit unter den Bonner Moscheegängern dies anders meint. Denn Bonn ist seit Jahren das Zentrum des militanten Islam in Deutschland [2]. Aktuell befinden sich mehrere Bonner im Djihad gegen die Ungläubigen, darunter die wohl prominentesten Bonner Muslime Yassin und Mounir Chouka.

Solidarische Hilfe: Der salafitische Hassprediger Abu Maleeq, früher bekannt als Rapper „Deso Dogg“, ruft mit dem Megaphon des Linksjugend-Mitglieds Matthias Schug zu Gewalt auf.

Immer wieder kehren einige Islamisten aus terroristischen Ausbildungslagern zurück und tragen den Gedanken der kriegerischen Durchsetzung des Islam in die Bonner Moscheegemeinden [3]. Einer der ideologischen und organisatorischen Stützpunkte des radikalen Islam ist die 1995 gegründete König-Fahd-Akademie im Bonner Süden, ein Schauplatz der gestrigen Ausschreitungen. In diesem ausgewiesenen Islamistenkiez mit street credibility erreichte die Nachricht der üblen Partei Pro NRW, eine gar nicht so üble Mohammed-Karikatur von Kurt Westergaard zeigen zu wollen, den größtmöglichen Effekt.

Moussa Acharki: Der ehrliche Makler

Man kann Acharki nicht nachsagen, dass er es nicht gut meinen würde. Er ist Verantwortlicher einer Demonstration gegen waschechte Rassisten und Ausländerfeinde, doch bestand die Mehrheit der Teilnehmer aus ebenso waschechten Islamisten und potenziellen Totschlägern. Direkt neben ihm wurden vom Podium aus unverhohlen Todesdrohungen gegen deutsche Staatsangehörige in islamisch geprägten Ländern ausgesprochen. Direkt vor seinen Augen wehten Fahnen des „Islamischen Staat Irak“, einer Filiale der Al-Quaida, ohne dass der um den Frieden bemühte BIG-Politiker und Islamfunktionär eingeschritten wäre [4].

Moussa Acharki ist nicht nur Vorstand des Rats der Muslime, sondern auch aufstrebender Landtagskandidat der BIG-Partei, einem deutschen Ableger der AKP, der islamistischen Regierungspartei des türkischen Premierministers Erdogan [5].

Acharki schämt sich für seine salafitischen Glaubensbrüder, er mag die Gewalt sicher nicht, gleichwohl ist der Gewaltausbruch der Salafiten seine große Stunde. Die Strategie der BIG wie des Rats der Muslime, die sich nicht nur in seiner Person organisatorisch überschneiden, besteht nämlich darin, sich in allen Konflikten zwischen den Muslimen und den anderen Deutschen als kultursensibles Anti-Konfliktteam zu inszenieren.

Gegenüber dem WDR-Fernsehen resümiert Acharki: „Eigentlich haben wir einen Aufruf gemacht, gar nicht dagegen zu demonstrieren und gar nicht hier hin zu kommen, weil wir die Lage genau so eingeschätzt haben. Aber leider ist es so, dass überall auf Facebook Werbung gemacht worden ist. Und überall Werbung, auf dass viele hier hin kommen, auch von außerhalb. Und wir wissen, wie unsere Jugendlichen reagieren, emotional leider“ (Hervorhebung GGE) [6].

Er suggeriert, die Salafiten davon abhalten zu können, ihr vorher mit seiner Billigung auf der Kundgebung gefälltes Todesurteil über die Spötter des „Propheten“ und Feinde des Islam zu vollstrecken. Weil aber die Salafiten bekanntermaßen keine rheinischen Jungpolitiker, sondern nur Allah fürchten, war es skrupellos von Acharki, die von ihm initiierte Gegendemonstration nicht abzusagen und der im Internet dutzendfach angekündigten Lynchjustiz mit der Kundgebung des Rats der Muslime eine legale Basis zu geben.

So hat Acharki die Gelegenheit genutzt, die Gewalt „seiner Jugendlichen“ kurz vor den Landtagswahlen zu instrumentalisieren, um sich als verständnisvoller Sprecher der Muslime in Stellung zu bringen. Der Rat der Muslime bzw. die BIG-Partei wird wie so oft darauf verweisen, dass solche Ausschreitungen „ihrer Jugendlichen“, wenn überhaupt, dann nur durch sie verhindert werden könnten.

Wahlkampf im Wortsinn

Was am 5. Mai in Bonn auch ausgetragen wurde, war ein sprichwörtlicher Wahlkampf zwischen der rechtsradikalen „Bürgerbewegung“ Pro NRW und der islamistischen BIG-Partei und ist womöglich eine neue Qualität der politischen Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Funktionären und den vermeintlichen oder tatsächlichen Ungläubigen.

Pro NRW, bestehend aus (Ex-)Nazis und Lumpenbourgeoisie, ist dabei nur die andere Seite derselben kulturalistischen Medaille. Will die islamistische BIG-Partei dem kleinen muslimischen Mann zu einer Stimme verhelfen, inszeniert sich Pro NRW als bieder-bürgerliche Schutzmacht des christlichen Abendlandes. Während der Rat der Muslime bzw. die BIG-Partei gelegentlich einen wütenden Mob gegen dessen frommen Wunsch politisch instrumentalisiert, kann sich Pro NRW nur noch auf die Polizei verlassen, die sich pflichtschuldig anstelle der Rechtspopulisten verprügeln lässt.

Fakt ist: Die fremdenfeindliche Partei Pro NRW hat die Islamisten nicht damit provoziert, dass sie wie andere Landtagsparteien einer repressiven Ausländerpolitik anhängt, sondern einzig und allein durch die islamkritischen Karikaturen des Kurt Westergaard. Der salafitische Mob hätte genauso zugeschlagen, wenn die Karikaturen von Linken gezeigt worden wären, welche aber zur Islamkritik unfähig sind und trotzdem – wie am 1. Mai in Solingen – von Salafiten mit Holzlatten krankenhausreif geprügelt werden, wenn sie nicht wie die Linksjugend von Bonn sogar gemeinsam mit den Salafiten Flagge zeigen [7].

Würde das Ansinnen des nordrhein-westfälischen Innenministers Jäger (SPD) umgesetzt, den Rechten das Zeigen der Mohammed-Karikaturen zu verbieten, um sich Ruhe vor dem radikal islamischen Mob zu erkaufen, wäre das ein Pyrrhussieg für den „öffentlichen Frieden“. Tatsächlich hätten die Salafiten damit einen Etappensieg herbeigeprügelt, auf dem sie propagandistisch aufbauen könnten. Solch ein Erfolg könnte Muslime, die die Mohammed-Karikaturen für unerträglich halten, sie bislang aber nicht gewaltsam aus der Welt schaffen wollen, zu der Überzeugung bringen, dass Gewalt doch eine probate Lösung und der Salafismus der verlässlichste Verteidiger des Islams ist.

Auch wenn der von Pro NRW verbreitete Hass auf muslimische Migranten entschieden bekämpft werden muss, darf im Zuge dessen das befreiende Gelächter über das Allerheiligste“ (Redaktion Bahamas) [8] keinesfalls verboten werden.

Gruppe Georg Elser (Bonn), 6. Mai 2012

Anmerkungen, Quellen- und Literaturnachweise

* Die Karikatur Westergaards hat, wenn sie auch auf den ersten Blick platt erscheint, ästhetische Qualität. Denn in ihr bildet er in Wahrheit gar nicht Mohammed, den es historisch womöglich nie gegeben hat, sondern nur seine wahnsinnigen Nacheiferer ab, die ihren „Propheten“ wegen des Bilderverbots ja gar nicht wiedererkennen dürften und trotzdem explodieren, wenn sie ihn zu sehen meinen.

[1] http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/bonn/bad-godesberg/Blindwuetige-Gewalt-nach-Provokation-durch-Pro-NRW-article756093.html

[2] http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/bonn/Die-Spuren-Al-Kaidas-fuehren-nach-Bonn-article254384.html

[3] vgl. Rolf Clement/Paul Elmar Jöris: Islamistische Terroristen aus Deutschland, Bonn 2011

[4] http://www.youtube.com/watch?v=YSyyfj4LTnc

[5] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,786207,00.html

[6] http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2012/05/05/aktuelle-stunde-demonstration.xml

[7] https://linksunten.indymedia.org/de/node/59620;

In Bonn engagierte sich die Bonner Linksjugend am 5. Mai sogar gemeinsam mit den Islamisten bei der „Verteidigung des Propheten“: https://gruppegeorgelser.files.wordpress.com/2012/05/solid-bonn-2.jpg

Höhepunkt der linken Solidarität: Nachdem Abu Maleeq kurz zuvor mit seinen „Brüdern“ den antisemitischen Schlachtgesang „Khaybar Khaybar ya Yahūd, jaysh Muḥammad saya‘ūd“ („Chaibar, Chaibar, oh ihr Juden! Mohammeds Heer kommt bald wieder!“) intoniert hatte, überließ das Linksjugend-Mitglied Matthias Schug  dem salafitischen Hassprediger sein Megaphon (siehe Foto 2). Durch Schugs Lautsprecher forderte Abu Maleeq dann für alle hörbar  zu den nachfolgenden Ausschreitungen auf:  „Solange keine Karikaturen gezeigt werden, bleiben wir ruhig. Aber wenn die Karikaturen gezeigt werden, wißt ihr alle was ihr zu tun habt…“.

[8] http://www.redaktion-bahamas.org/auswahl/web49-1.pdf