Archive for the 'Veranstaltungen' Category

Benefizgala für Carl Wiemer

22. Februar 2013

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Der freie Autor und Literaturkritiker Carl Wiemer soll vom Walser-Clan nach allen Regeln polizelich-juristischer Kunst mundtot gemacht werden. Wiemers Vergehen: er verteilt kritische Flugblätter vor den Literaturhäusern, in denen “der literaturpolitische Familienbetrieb” der in Deutschland weltberühmten Walsers den Ruf genießt, Literatur zu erzeugen, wo er doch vielmehr ihre Liquidation beglaubigt.

Für seinen unermüdlichen Einsatz, am Rande der Lesungen von Martin und Alissa Walser auf deren postnationalsozialistisches Geschäftsmodell und auf künstlerische Unfähigkeit hinzuweisen, wurde Wiemer mehrfach mit juristischen und polizeilichen Repressionen behelligt und im vergangenen November sogar tätlich angegriffen.
Seit dem Sommer 2012 setzt Walser erneut zur – nicht nur finanziell strapaziösen – gerichtlichen Durchsetzung seiner Lebenslügen an. So will er es Wiemer u.a. sogar gerichtlich verbieten lassen, ihn in dessen Flugblättern als das Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer: 9742136) zu bezeichnen, das er nachweislich gewesen ist und in deren Tradition sich seine Ausfälle gegen Juden bis heute bewegen.
Um den geschichtsrevisionistischen Triumph des Walser-Clans zu verhindern und Carl Wiemer in seiner kritischen Arbeit zu unterstützen, laden wir zu einer Benefizgala zur Finanzierung der Prozesskosten ein.

Die Gala findet am Samstag, den 30. März 2013 im Selbstverwalteten Jugendzentrum Siegburg (Haufeld 22) statt.

21:00 Uhr: Kurzer Vortrag Carl Wiemers zu den gegen ihn gerichteten Repressionen von Polizei und Justiz.
Anschließend: elektronische Tanzmusik via DML (Techno), Nachthimmel (Techno/Minimal), Kill the Myths (Cybernetics/Bass) und weiteren Überraschungs-DJs.

Eintritt: 5€

Veranstalter: Gruppe Georg Elser; mit freundlicher Unterstützung der Jungen Antifa Siegburg.

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Georg Elser – Zur Karriere eines Ermordeten

25. Dezember 2012
Posthume Repatriierung: Gedenkanzeige für Johann Georg Elser in der Frankfurter Rundschau vom 6.11.2004

Posthume Repatriierung: Gedenkanzeige für Johann Georg Elser in der Frankfurter Rundschau vom 6.11.2004

Vortrag und Diskussion mit Matheus Hagedorny

Georg Elser ging auf ganz eigene Rechnung daran, den nationalsozialistischen Terror an seinem mythischen Ursprungsort zu terrorisieren. Präzise wie nur Wenige wollte Elser begreifen, dass das Regime enthauptet werden musste und dies dennoch kaum etwas gegen die Tendenz einer sich barbarisch auflösenden deutschen Gesellschaft ausgerichtet hätte.
Gleichwohl lässt sich die Geschichte von Georg Elser nicht als »deutsches Drama« erzählen, wie es der Untertitel des Elser-Stücks von Peter Paul Zahl nahe legt. Stattdessen ist der einsame Widerstand des Handwerkers weitgehend dialogfrei und von dessen letzten Jahren kaum mehr als seine Verzweiflung sowie der verleumderische Lagerklatsch aus den KZs überliefert, der auch lange nach seiner Ermordung in Dachau Widerhall fand.

Nachdem der Verschwörungswahn um Elsers vermeintliche Hintermänner seit den 1970ern abzuklingen begann, setzte seine zaghafte Integration in den postnazistischen Erinnerungsbetrieb ein. Ob er nun in Klaus Maria Brandauers Elser-Verfilmung »existenziell verkitscht« (Redaktion Bahamas) oder zum deutschen Patrioten umgelogen wird, ob er als »Held ohne Degen« oder als Mainstream gewordener Geheimtipp der deutschen Vergangenheitsbewältigung reüssiert – dem deutschen Zwang zur Sinnstiftung und Eingemeindung der Opfer entgeht auch Georg Elser nicht.
Der Vortrag macht es sich zur Aufgabe, zu beleuchten, was die Rezeption des »Bürgerbräu-Attentats« über das Werden des postnazistischen Bewusstseins aussagt, welche Rolle die Kulturindustrie dabei einnimmt und warum Georg Elser heute kein Vorbild sein kann.

Donnerstag, 17. Januar 2013
20:00 Uhr
Druckluft (Am Förderturm 27, Oberhausen)
Eintritt frei

Veranstalter: Antifa D-Day Duisburg.

Der Sozialismus und die Seele des Menschen

12. Dezember 2011

Zum ästhetischen Kommunismus des Oscar Wilde

Workshop der Gruppe Georg Elser

Der Schriftsteller Oscar Wilde gilt heute in erster Linie als Inbegriff des kunstsinnigen Dandy, dem das Publikum Romane wie „Das Bildnis des Dorian Gray“ und berühmte Theaterstücke wie „Bunbury“ zu verdanken hat.
Völlig zu Unrecht vergessen ist jedoch sein radikaler Essay „Der Sozialismus und die Seele des Menschen“, in dem er utopische Bestimmungen für eine sozialistische bzw. kommunistische Gesellschaft formuliert, deren zentrale Aufgabe es sein soll, „uns von der schmutzigen Notwendigkeit zu befreien, für andere zu leben, die momentan so schwer auf fast allen lastet.“

Oscar Wildes Versuch eines ästhetischen Kommunismus ist kein literarisches Gedankenspiel, sondern revolutionärer Entwurf. Pointiert wird in ihm die Würdelosigkeit des Eigentums, die Arroganz des Mitleids und der Zynismus der Sozialreform kritisiert. Anliegen dieser Sozialismuskonzeption ist, die aus der ökonomischen Notwendigkeit geborene, fatale Abhängigkeit der Menschen voneinander zu überwinden. Sie zielt auf einen Individualismus, dessen Möglichkeit er im prekären Leben des Künstlers aufscheinen sieht. Wilde gelingt es wie nur Wenigen, den Kommunismus gegen die kollektivistischen Tendenzen der Arbeiterbewegung zu bestimmen: als einen um die Vervollkommnung des Einzelnen gebildeten „Verein freier Menschen“ (Karl Marx).

Der Workshop möchte aufzeigen, inwiefern diese erstmals 1891 veröffentlichte Schrift es verdient, auch heute in gesellschaftskritischer Absicht gelesen zu werden. Im Mittelpunkt steht die Reflexion darüber, ob und wie „Der Sozialismus und die Seele des Menschen“ dazu beiträgt, die aktuelle kapitalistische Vergesellschaftung zu kritisieren und wo ihre Grenzen und Unwägbarkeiten liegen.
Die Teilnahme am Workshop erfordert keine vorherige Anmeldung und ist kostenlos. Die Veranstaltung richtet sich an alle Menschen, die an der Kritik des Sozialismus bzw. Kommunismus interessiert sind.

Sehr sinnvoll, wenn auch nicht zwingend erforderlich für die Teilnahme ist es, „Der Sozialismus und die Seele des Menschen“ bereits im Vorfeld der Veranstaltung zu lesen.
Der Essay ist zur Zeit in zwei Ausgaben (von Gustav Landauer und Hedwig Lachmann 1904 ins Deutsche übersetzt: Diogenes Verlag 9,90€, Books on Demand 5,40€) erhältlich.
Er ist zudem auch online verfügbar (weniger schöne deutsche Übersetzung, englische Originalausgabe).

Samstag, den 18. Februar 2012
14 bis 18 Uhr
Ulrich-Haberland-Saal
(Auf dem Hügel 16, Bonn-Endenich).

Gegenaufklärung

6. Mai 2011

Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft

Buchvorstellung und Diskussion mit Alex Gruber und Philipp Lenhard

An deutschen Universitäten, besonders in der akademischen Linken, liegt über den Charakter der postmodernen Philosophie ein grundlegendes Missverständnis vor: Dass es sich bei ihr nämlich um die legitime Nachfolgerin der Kritischen Theorie handele, ja, um kritische Theorie auf Höhe der Zeit. Ein Affront gegen alle, die es ernst meinen mit der Kritik – denn tatsächlich ist postmoderne Philosophie nichts anderes als „das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie” (Adorno). Weil der radikale Bruch mit dem Denken, das zu Auschwitz führte, ausblieb, weil vielmehr bereits in den sechziger Jahren gerade von links in vermeintlich tabubrecherischer Weise versucht wurde, die nationalsozialistische Philosophie für scheinbar “emanzipatorische” Projekte nutzbar zu machen, erscheint die deutsche Ideologie heute als links und progressiv.

Diese neueste deutsche Ideologie ist nicht nur eine philosophische Strömung, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Tendenz. Die postmoderne Übung, jede allgemeine Begriffsbestimmung als “logozentrisch” und jede Betrachtung der Gesellschaft unter Vernunftkriterien als totalitär zu denunzieren, ist sowohl Reflex der objektiven Unbrauchbarkeit der Welt unter den Verhältnissen spätkapitalistischer Vergesellschaftung als auch der Versuch einer Sinnstiftung ebendieser Verhältnisse. In seinem Kult der Unmittelbarkeit schließlich sucht der Poststrukturalismus den Schulterschluß mit dem radikalen Islam und verrät jede Idee von Versöhnung.

Alex Gruber (Wien) ist Mitglied bei Café Critique, Philipp Lenhard (München) Redakteur der Zeitschrift Prodomo.

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 26. Mai 2011 um 20 Uhr im Hörsaal 3 (Hauptgebäude der Universität Bonn, Bonn-Zentrum) statt.

Der Eintritt ist kostenfrei.

Veranstaltet von der Gruppe Georg Elser mit Unterstützung des Kulturplenums des AStA der Universität Bonn.

Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister

4. Mai 2011

Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik

Vortrag und Diskussion mit Peter Bierl

Hautcreme für den Babypopo von Weleda, biologisch-dynamische Karotten der Marke Demeter, Rudolf-Steiner-Brot im Naturkostladen und die Waldorfschule kennen viele, nicht aber die damit verbundene Weltanschauung der Anthroposophie. Dabei ist sie eine der ältesten und mit bundesweit etwa 20.000 Mitgliedern (weltweit ca. 60.000) eine der wichtigsten esoterischen Strömungen unserer Zeit.

Peter Bierl beschäftigt sich in seinem Vortrag mit der Anthroposophie und ihrem Gründer Rudolf Steiner. Der Mann, der sich als Hellseher inszenierte und von seinen Anhängern als „Menschheitsführer“ und Wiedergeburt von Aristoteles verehrt wurde, war überzeugt, dass nur die „weiße Rasse“ am Geiste schafft, während Asiaten dekadent, Schwarze überhitzte Triebwesen und Juden einseitig intellektuell und zersetzend seien. Die Deutschen rechnete der Guru einer fünften Wurzelrasse der Arier zu, die noch einige Jahrtausende führend sein solle.

                   In Steiners Anthroposophie spuken Engel und Dämonen, Volks- und Rassengeister, er mixte Versatzstücke aus Buddhismus, Hinduismus und Christentum mit darwinistischen Evolutionsvorstellungen und bürgerlichem Kulturpessimismus. Darum erklären Anthroposophen Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe in Fukushima als eine Art karmischenAusgleich für einen angeblich besonderen Materialismus der Japaner. Rassistische und antisemitische Ideen der Zeit finden ihren Niederschlag in der Anthroposophie, die wiederum die Waldorfschule prägt. Vorstellungen über Reinkarnation und Karma gelten bis heute als konzeptionelle Grundlage der Waldorfpädagogik, mit der auch heute noch ca. 70.000 Schülerinnen und Schüler in den deutschen Waldorfschulen ideologisch beeinflusst werden– und dies mit finanzieller Unterstützung des Staates.

Peter Bierl, freier Journalist, beschäftigt sich seit Jahren mit Anthroposophie, Esoterik, Nationalsozialismus, Ökologie & Umweltbewegung. Er ist Autor des anthroposophiekritischen Buchs Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister, Hamburg 2005

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 8. Juni 2011 um 20 Uhr im Hörsaal 17 (Universitäts-Hauptgebäude, Englisches Seminar, Bonn-Zentrum) statt. Der Eintritt ist kostenfrei.

Veranstaltet von der Gruppe Georg Elser und dem Referat für politische Bildung des AStA der Universität Bonn.

Aufruhr der Einverstandenen

13. Oktober 2010

"Bologna-Leichen" in Köln

Zwischenbemerkungen zum „Bildungsstreik“ und zu seinen Grundlagen

Vortrag und Diskussion mit Matheus Hagedorny

Der bundesweite „Bildungsstreik“ ist eine neue Episode der gleichförmigen Empörung im deutschen Ausbildungsbetrieb. Mit vermeintlich „kreativen“ und „bunten“ Aktionen, die die „Ökonomisierung der Bildung“ anprangern und eine „freie Bildung“ einfordern, rennt die „Streik-“Bewegung gegen den (spät)kapitalistischen Ausbildungsbetrieb an und doch wieder in ihn hinein.
Irgendwo auf dem Weg zur gesamtdeutschen Kampagne ist den Vorkämpfern der Proteste jede kritische Bestimmung des Bildungsbegriffs und des vermittelten (Fach-)Wissens abhanden gekommen. Stattdessen soll das ausgebildete Elend lieber durch „radikale Demokratisierung“ selbst verwaltet und eine behütete Gemeinschaft der Opfer „neoliberaler“ Angriffe geschmiedet werden, dessen sinnfälliger Ausdruck das ritualisierte „zu Grabe tragen“ der Bildung ist. Solch ein Verständnis von Bildung verrät, dass diese wie in der angeblich verworfenen „Verwertungslogik“ als Ding gedacht und verhandelt wird, das man wahlweise konsumieren, herbei demonstrieren, beerdigen und wieder auferstehen lassen kann.

Im Vortrag soll erörtert werden, welche Elemente des „Bildungsstreiks“ seinen konsequenten Weg in die autoritäre Sozialpartnerschaft pflastern, warum Bildung – verstanden als originelle Selbst-Bestimmung – niemals erstreikt werden kann und weshalb die Kritik des Aktivismus auf die Sabotage der selbstgefälligen „Massen“-Aufwiegelei und anderer demagogischer Anmaßungen zielen sollte.

Die Veranstaltung findet am Freitag, den 3. November 2010 um 19.30 Uhr im Mevissensaal (Claudiusstr. 1) der Fachhochschule Köln statt.

Der Eintritt ist frei.

Veranstaltet vom Referat für politische Bildung des AStA der Fachhochschule Köln.

Shoah

30. August 2010

Filmvorführung in zwei Teilen

In „Shoah“, seinem filmischen Werk über die Massenvernichtung der europäischen Juden, führt Claude Lanzmann in Wort, Ton und Bild vor, was unter „Vergangenheitsbewältigung“ verstanden werden könnte. A"Waldlager"usgehend von der Tatsache, daß keine Bilddokumente von der Vernichtung des Judentums durch die Nazis existieren, recherchiert der Filmemacher die Spuren des Holocausts. In Interviews mit Tätern und Opfern, in Bildern von Orten des Geschehens, zeigt das monumentale Werk die Ereignisse der Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart.

Auch wenn „Shoah“ hauptsächlich in den 1970er Jahren entstand, ist „ein Film, der nicht altert. Er hat kein Alter“ (Lanzmann). „Shoah“ ist kein Dokumentarfilm im herkömmlichen Sinne, sondern ein in jeder Hinsicht sperriges Werk zur Geschichte und Gegenwart der Judenvernichtung.

F 1973-1985, Französisches Original mit deutschen Untertiteln, 566 Minuten

Teil 1 am Samstag, den 25. September 2010 ab 14 Uhr

Teil 2 am Sonntag, den 26. September 2010 ab 14 Uhr

im Kult 41 (Hochstadenring 41, an der Viktoriabrücke, Bonn-Nordstadt)

Eine Veranstaltung der Gruppe Georg Elser, des Kult 41 mit freundlicher Unterstützung des Bonner AStA-Referats für Politische Bildung

Zu Produktion und Gegenstand von „Shoah“ siehe:  Fabian Kettner – Sprecher der Toten

Aufruhr der Einverstandenen

20. Juli 2010

Zwischenbemerkungen zum „Bildungsstreik“ und zu seinen Grundlagen

Vortrag und Diskussion mit Matheus Hagedorny

Der bundesweite „Bildungsstreik“ ist eine neue Episode der gleichförmigen Empörung im deutschen Ausbildungsbetrieb. Mit vermeintlich „kreativen“ und „bunten“ Aktionen, die die „Ökonomisierung der Bildung“ anprangern und eine „freie Bildung“ einfordern, rennt die „Streik-„Bewegung gegen den (spät)kapitalistischen Ausbildungsbetrieb an und doch wieder in ihn hinein.
Irgendwo auf dem Weg zur gesamtdeutschen Kampagne ist den Vorkämpfern der Proteste jede kritische Bestimmung des Bildungsbegriffs und des vermittelten (Fach-)Wissens abhanden gekommen. Stattdessen soll das ausgebildete Elend lieber durch „radikale Demokratisierung“ selbst verwaltet und eine behütete Gemeinschaft der Opfer „neoliberaler“ Angriffe geschmiedet werden, dessen sinnfälliger Ausdruck das ritualisierte „zu Grabe tragen“ der Bildung ist. Solch ein Verständnis von Bildung verrät, dass diese wie in der angeblich verworfenen „Verwertungslogik“ als Ding gedacht und verhandelt wird, das man wahlweise konsumieren, herbei demonstrieren, beerdigen und wieder auferstehen lassen kann.

Im Vortrag soll erörtert werden, welche Elemente des „Bildungsstreiks“ seinen konsequenten Weg in die autoritäre Sozialpartnerschaft pflastern, warum Bildung – verstanden als originelle Selbst-Bestimmung – niemals erstreikt werden kann und weshalb die Kritik des Aktivismus auf die Sabotage der selbstgefälligen „Massen“-Aufwiegelei und anderer demagogischer Anmaßungen zielen sollte.

Die Veranstaltung findet am Freitag, den 13. August 2010 um 10.3o Uhr im Rahmen des antifaschistischen Jugendcamps im Druckluft Oberhausen statt.

Informationen zum weiteren Programm des Camps finden sich hier.

Die Bildung als Widersacher des Geistes

5. Juni 2010

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue

Seit einigen Jahren hat Deutschland der Bildungswahn ergriffen. Bildungspolitiker rufen die „Bildungsrepublik“ aus, Studenten treten in den „Bildungsstreik“, „Bildungsberichte“ werden verfaßt, „Bildungsgutscheine“ vergeben, „Bildungswikis“ angelegt, und alle fordern „Bildung für alle“. Dieser bildungspolitische Amoklauf, in dem sich Lehrer, Forscher und Studenten der Sache nach einig sind, zeugt von einer beängstigenden Geschichtsvergessenheit. Bezeichnet doch der Begriff der Bildung in Deutschland – in besonders schlimmen Fällen auch als sog. „Herzensbildung“ – seit jeher eine Reihe von Schandtaten. Insbesondere richtet er sich gegen den „Geist“, dessen Wurzellosigkeit, Flüchtigkeit, Insistenz und zersetzender Kraft mit der Bildung ein Prinzip intellektueller und sittlicher Bodenhaftung gegenübergestellt wird, die dem kritischen Impuls des Geistes im Namen höherer Werte ein Ende machen soll. Wie diese Dichotomisierung von Bildung und Geist sich historisch entwickelt hat, wie sie mit dem Kapitalverhältnis bzw. dessen deutscher Aufhebung zusammenhängt, und weshalb der Begriff der Geisteswissenschaften heute völlig zurecht durch den der Kulturwissenschaften ersetzt wird, möchte der Vortrag zu klären versuchen.

Am Dienstag, den 13. Juli 2010 um 20:00 Uhr in Hörsaal XVII (Hauptgebäude der Uni Bonn). Der Eintritt ist frei.

Veranstaltet vom Referat für Politische Bildung des AStA der Uni Bonn und wärmstens empfohlen von der Gruppe Georg Elser.

Godards fröhliche Wissenschaft

5. Juni 2010

Vortrag mit Christoph Hesse

Daß Filme die Welt verändern können, glaubt außer denen, die damit reich und berühmt werden, vielleicht als einziger noch Jean-Luc Godard. Die Welt, sagt er, könne nicht besser werden, wenn die Filme nicht besser werden. Nur sei gerade der Film der Ort der geringsten Veränderungen. Gegen diese These jedenfalls lassen sich in der jüngeren Filmgeschichte nur wenige Argumente finden. Das „drastische Medium der Kulturindustrie“, wie Adorno den Film einst nannte, ist längst ein langweiliges Medium unter anderen. Die letzte gewaltige und im nachhinein bald ebenso wirkungslose Veränderung, die sich hier ereignet hat, liegt inzwischen vierzig Jahre zurück. An Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin, meint Godard, könne man sehen, was es bedeutet, zu einem Zeitpunkt, da gesellschaftliche Veränderungen passieren, ein Bild zu machen. Ein solches Bild entwarf er selbst im Frühjahr 1968 in Paris. Der Film mit dem zuversichtlichen Titel Die fröhliche Wissenschaft sollte ein Anfang sein, doch tatsächlich markierte er das Ende der eben begonnenen Revolution und, bis auf weiteres, auch der Filmgeschichte. Der Kommunismus hatte sich unversehens in ein Gespenst zurückverwandelt, und das mit den schönsten Hoffnungen betrachtete Spektakel der Gesellschaft verlegte sich alsbald auf „die Photographie des sturen Daseins und die nackte Lüge von seinem Sinn“ (Adorno).

Christoph Hesse ist Film- und Medienwissenschaftler, lebt in Berlin und arbeitet gerade an einer Edition von Briefen an Bertolt Brecht im Exil, die im nächsten Jahr in zwei Bänden erscheinen werden.

Am Donnerstag, den 10. Juni um 20:00 Uhr in Hörsaal III (Hauptgebäude der Uni Bonn). Der Eintritt ist frei.

Veranstaltet vom Referat für Politische Bildung des AStA der Uni Bonn und der Gruppe Georg Elser.