Antiziganismus

3. Mai 2011

2008 bei einem Faschingsumzug in Uffing (Oberbayern)Ressentiment und Vernichtung

Vortrag und Diskussion mit Roswitha Scholz

Das Phänomen des Antiziganismus ist in westlichen Gesellschaften weit verbreitet und in Form von alltäglichen Ressentiments bis hin zu konkreten Angriffen äußerst wirkungsmächtig. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen auch nach dem nationalsozialistischen Massenmord an Sinti und Roma als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt. Die Verachtung der Sinti und Roma durch die deutsche Bevölkerung hat im Laufe der Jahrzehnte nicht abgenommen, sie ist vielmehr normal, geläufig und alltäglich.

Bis zum heutigen Tag sind „Zigeuner“ der Dauerverfolgung rechter Bewegungen ausgesetzt. Eine Zuspitzung erreicht diese Drangsalierung aktuell in Ungarn, wo das Gewaltmonopol des Staates zu Gunsten nationalistischer Milizen abgetreten wurde, welche die Roma-Minderheit massiv bedrohen. Auch in im Land der Französischen Revolution protestiert nur eine Minderheit gegen die Diskriminierungs- und Abschiebepolitik des Präsidenten Sarkozy.

An politischen und theoretischen Analysen des antiziganistichen Ressentiments fehlt es dennoch. Auch eine linke Kritik geht oft nicht über moralische Empörung hinaus. Anliegen des Vortrags ist es daher, den Antiziganismus analytisch zu begreifen, seine Ursachen aufzuspüren, seine Funktion darzulegen und das historische und aktuelle Bewusstsein hinsichtlich des Antiziganismus zu schärfen.

Roswitha Scholz, Sozialpädagogin und freie Publizistin, ist Redakteurin der Theoriezeitschrift EXIT. Neben etlichen Beiträgen zu Rassismus und Antisemitismus veröffentlichte sie u.a. den Aufsatz Antiziganismus und Ausnahmezustand. Der »Zigeuner« in der Arbeitsgesellschaft im Sammelband  Antiziganistische Zustände – Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments, Münster 2009.

Die Veranstaltung findet am Freitag, den 10. Juni 2011 um 20 Uhr im Hörsaal 17 (Hauptgebäude der Universität Bonn, Regina-Pacis-Weg 5) statt.

Der Eintritt ist kostenfrei.

Veranstaltet von der Gruppe Georg Elser und dem AStA-Referat für politische Bildung.

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