Aufruhr der Einverstandenen

20. Juli 2010

Zwischenbemerkungen zum „Bildungsstreik“ und zu seinen Grundlagen

Vortrag und Diskussion mit Matheus Hagedorny

Der bundesweite „Bildungsstreik“ ist eine neue Episode der gleichförmigen Empörung im deutschen Ausbildungsbetrieb. Mit vermeintlich „kreativen“ und „bunten“ Aktionen, die die „Ökonomisierung der Bildung“ anprangern und eine „freie Bildung“ einfordern, rennt die „Streik-„Bewegung gegen den (spät)kapitalistischen Ausbildungsbetrieb an und doch wieder in ihn hinein.
Irgendwo auf dem Weg zur gesamtdeutschen Kampagne ist den Vorkämpfern der Proteste jede kritische Bestimmung des Bildungsbegriffs und des vermittelten (Fach-)Wissens abhanden gekommen. Stattdessen soll das ausgebildete Elend lieber durch „radikale Demokratisierung“ selbst verwaltet und eine behütete Gemeinschaft der Opfer „neoliberaler“ Angriffe geschmiedet werden, dessen sinnfälliger Ausdruck das ritualisierte „zu Grabe tragen“ der Bildung ist. Solch ein Verständnis von Bildung verrät, dass diese wie in der angeblich verworfenen „Verwertungslogik“ als Ding gedacht und verhandelt wird, das man wahlweise konsumieren, herbei demonstrieren, beerdigen und wieder auferstehen lassen kann.

Im Vortrag soll erörtert werden, welche Elemente des „Bildungsstreiks“ seinen konsequenten Weg in die autoritäre Sozialpartnerschaft pflastern, warum Bildung – verstanden als originelle Selbst-Bestimmung – niemals erstreikt werden kann und weshalb die Kritik des Aktivismus auf die Sabotage der selbstgefälligen „Massen“-Aufwiegelei und anderer demagogischer Anmaßungen zielen sollte.

Die Veranstaltung findet am Freitag, den 13. August 2010 um 10.3o Uhr im Rahmen des antifaschistischen Jugendcamps im Druckluft Oberhausen statt.

Informationen zum weiteren Programm des Camps finden sich hier.

Advertisements

2 Antworten to “Aufruhr der Einverstandenen”

  1. Anonymous Says:

    Hä? Was soll mir denn „Bestimmung des Bildungsbegriffes“ bringen? Ich will einfach nur ohne Studiengebühren meinen Abschluss in Maschinenbau machen. Weil 500 Euro für mich viel Geld sind, es hat eben nicht jeder reiche Eltern! Deshalb habe ich beim Bildungsstreik mitgemacht.

    Und ja, ich bin auch bereit, später arbeiten zu gehen und Steuern zu zahlen, um der Gesellschaft auch was zurückzugeben. Ist das denn so verkehrt für Leute wie euch?

    Ich frage mich nur, wo liegt der Mehrwert dabei, am Arbeitsmarkt vorbeizustudieren und sich über solche Abstraktionen wie „Bildungsbegriff“ auszulassen, anstatt sich mit den ganz konkreten Problemen der Menschen auseinanderzusetzen?

  2. Matheus Hagedorny Says:

    So gesehen wirst Du nach der Abschaffung der Studiengebühren in NRW und anderswo wieder ohne Probleme weiter studieren können. Wenn es Dir um Deine kostengünstige Aus-Bildung zu einem funktionierenden Organ der Industrie geht, sind Gedanken über Selbst-Bestimmung, universales Wissen und andere Abstraktionen tatsächlich genau so verschwendete Arbeits- bzw. Lebenszeit wie das Kommentieren meiner ollen Abstracts vom Vorjahr.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: