Mit Agamben in Durban – Über den Zusammenhang von Antirassismus und Israelhass

17. Mai 2010

Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard

Spätestens seit Claude Levi-Strauss 1952 das Ende des Rassebegriffs verkündete, ist der Antirassismus seinem Wesen nach ein Kampf für die Achtung so genannter „Kulturen“. Ihm ist es nicht um Glück und Freiheit der Einzelnen zu tun, sondern um die Verteidigung noch der barbarischsten Sitten und Gebräuche, solange diese nur „authentisch“ sind. Wenn die antirassistische Bewegung ausnahmsweise einmal nicht flammende Traktate gegen die „zionistische Apartheid“ verfasst, sondern konkret Flüchtlingen in ihrer Not hilft, dann tut sie das oft genug aus anderen Gründen als denen der menschlichen Solidarität und Empathie. Der Antirassismus konstruiert sich seinen „Anderen“, der als Vorschein einer besseren Gesellschaft halluziniert wird. Ganz in diesem Sinne sagt Giorgio Agamben: „Der Flüchtling muss betrachtet werden als das, was er ist: nichts weniger als ein Grenz-Begriff, der die Prinzipien des Nationalstaats in eine radikale Krise stürzt und es zugleich gestattet, Raum zu schaffen für eine Erneuerung der Kategorien, die nun nicht länger aufzuschieben ist.“ Was früher das Proletariat war, ist nun der „Flüchtling“. Und wie die Arbeiterbewegung die Arbeit, so vergötzt die antirassistische Bewegung die Staatenlosigkeit. Deshalb ist sie konstitutiv unfähig, die Notwendigkeit des Staates Israel zu begreifen. Sie attackiert ihn als „Atavismus“ und macht sich daran, ausgerechnet an ihm das Exempel einer postnationalen Welt zu statuieren. Das trieb sie auf die UN-Konferenz nach Durban, wo Ahmadinedschad und all die anderen Antirassisten bereits ungeduldig warteten, um endlich Israel den Garaus machen zu können.

Philipp Lenhard, Redakteur der Kölner Zeitschrift Prodomo und freier Autor für Bahamas und Jungle World, wird erläutern, weshalb sich mit den Ideen des neuen Meisterdenkers Giorgio Agamben im Gepäck ein antirassistisches Bündnis mit dem radikalen Islam gegen Israel schmieden lässt.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 9. Juni um 20 Uhr im Hörsaal 3 statt.

Der Eintritt ist frei.

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