„Fight for Freedom!“ – Die Legende vom “anderen Deutschland”

7. Januar 2010

Buchvorstellung mit Jan Gerber und Anja Worm

“Nach der ersten deutschen Niederlage”, so erklärten Curt Geyer und Walter Loeb 1942, “wurde der Welt die Lüge von der deutschen Unschuld aufgetischt. Die Welt wurde eingeladen zu glauben, dass Deutschland angegriffen wurde und dass es das Schwert zu seiner eigenen Verteidigung gezogen hat. Eine zweite Lüge wird derzeit für den universellen Gebrauch vorbereitet, die Lüge, dass das deutsche Volk an diesem Krieg unschuldig ist.” Während die erste Lüge inzwischen weitgehend vergessen ist, hat die zweite nach wie vor Bestand. Die Legende vom “anderen Deutschland” war eine der ideologischen Gründungsvoraussetzungen der Bundesrepublik und der DDR. Sie gehört bis heute zum geschichtspolitischen Repertoire der Berliner Republik.

Curt Geyer, Walter Loeb und die Mitglieder der “Fight-for-Freedom”-Gruppe zählen zu den Wenigen, die dieser Legende schon in den frühen 1940er Jahren, im britischen Exil, entgegentraten. Mit antideutschen Schriften unterstützten sie Sir Robert Vansittart, Mitglied des britischen Oberhauses und Publizist – und neben Henry Morgenthau bis heute einer der meistgehassten Männer in Deutschland.

Jan Gerber und Anja Worm, die die zentralen Texte des “Fight-for-Freedom”-Kreises erstmals in deutscher Übersetzung herausgegeben haben, stellen in ihrem Vortrag nicht nur die Aktivitäten, Schriften und Reflexionen dieser Gruppe vor. Sie hinterfragen zugleich die Rede vom “anderen Deutschland”. Warum konnte die Vorstellung, der Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg und Auschwitz seien den Deutschen gegen ihren Willen von einer kleinen Clique Wahnsinniger aufgezwungen worden, wirkungsmächtig werden? Welche Bedürfnisse bedient die Rede vom “anderen Deutschland”? Warum wurde die “Fight-for-Freedom”-Gruppe also trotz ihrer erfolgreichen publizistischen Aktivitäten in Großbritannien und der zahllosen Angriffe, mit denen sie von Seiten des arbeiterbewegten Exils – vom damaligen SAPler Willy Brandt über den Kommunisten Jürgen Kuczynski bis hin zu den Sozialdemokraten Friedrich Stampfer und Erich Ollenhauer – bedacht wurde, sowohl in der deutschen Öffentlichkeit als auch im Wissenschaftsbetrieb über Jahrzehnte hinweg ignoriert?

Jan Gerber und Anja Worm sind Herausgeber des Bandes Curt Geyer, Walter Loeb u.a.: Fight for Freedom! Die Legende vom “anderen Deutschland” (Ça Ira Verlag, Freiburg 2009).

Am Freitag, den 29. Januar 2010 um 19:00 Uhr im Hörsaal 17

(Englisches Seminar, Hauptgebäude der Uni Bonn, Regina-Parcis-Weg 3, Bonn)

Veranstaltet durch: Gruppe Georg Elser, Kulturgruppe Gedenken und Erinnern

Unterstützt durch den AStA der Uni Bonn

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Eine Antwort to “„Fight for Freedom!“ – Die Legende vom “anderen Deutschland””

  1. Antifo Says:

    Warum wurde die “Fight-for-Freedom”-Gruppe also trotz ihrer erfolgreichen publizistischen Aktivitäten in Großbritannien und der zahllosen Angriffe, mit denen sie von Seiten des arbeiterbewegten Exils – vom damaligen SAPler Willy Brandt über den Kommunisten Jürgen Kuczynski bis hin zu den Sozialdemokraten Friedrich Stampfer und Erich Ollenhauer – bedacht wurde, sowohl in der deutschen Öffentlichkeit als auch im Wissenschaftsbetrieb über Jahrzehnte hinweg ignoriert

    Die Antwort findet sich hier

    http://jungle-world.com/artikel/2010/05/40315.html

    Schon die Sozialdemokraten/Kommunisten hatten im britischen und amerikanischen Exil recht heftig darum gestritten hatten, wie man mit den Thesen des Hasspredigers Robert Vansittart umgehen sollte, für den „das Hitler-Regime kein zufälliges Phänomen, sondern die logische Konsequenz der deutschen Geschichte, des Deutschen in excelsis” (Zitat nach WP’ia) gewesen war.

    Laut dieses Artikels erklärte Willy Brandt etwa, dass Vansittarts Thesen der »Hitlerschen Rassenlehre sehr nahe verwandt« seien.

    Das Ende vom Lied: Die Antideutschen von heute sind die Vansittartisten von gestern.

    Daß es ein anderes Deutschland gegeben hat, wird rundweg bestritten.

    Das ist umso absurder, als es Robert Vansittart war, der Carl Friedrich Goerdeler (Reichskanzler im Schattenkabinett des dt. Widerstandes) als „Landesverräter“ bezeichnet hatte, als dieser in England war, um für ein gemeinsam abgestimmtes Vorgehen gegen Hitler zu werben:

    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-39863525.html


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