Tsahal – Ein Film von Claude Lanzmann

12. Oktober 2009

tsahal

Am Mittwoch, den 9. November führt die Gruppe Georg Elser ab 20.00 Uhr im Kult41 den Film Tsahal von Claude Lanzmann vor. Nach Shoah, dem wohl bedeutendsten Beitrag zum Gedenken an das Undenkbare, und Warum Israel, einer neugierigen und heiteren Annäherung an die noch junge Nation Israel, folgt nun der letzte und kontroverseste Teil von Lanzmanns jüdischer Trilogie: Tsahal, ein Film über Israel und die israelische Armee (Tsava Haganah Leisrael = Armee zur Verteidigung Israels), entstanden zwischen 1991 und 1994. Wieder sucht sich der engagierte Publizist und epochale Dokumentarist den Zugang zu Geschichte und Gegenwart ausschließlich über die lebendige Stimme ihrer Protagonisten.

Lanzmann über Tsahal: „Es ist wichtig zu verstehen, dass der Holocaust nicht allein ein Massaker an Unschuldigen war, sondern dass es ein Massaker an Menschen war, die keine Verteidigung hatten, die nicht wehrhaft waren; das heißt an Leuten, die zum allergrößten Teil seit Generationen und Jahrhunderten nicht daran gewöhnt waren, Waffen zu gebrauchen und Gewalt anzuwenden. Daher handelt es sich bei Tsahal um die Fortsetzung von Shoah. Ich wollte zeigen, wie in der israelischen Armee das Trauma des Holocaust bis heute bestimmend ist. Im Zentrum von Tsahal steht das Problem, dass man angreifen muss, wenn man nicht sterben will, und dass man zugleich diesen Angriff nach Möglichkeit vermeiden will.“

“Ohne Tsahal (die Armee zur Verteidigung Israels) hätte sich die Frage nach dem Frieden zwischen Israel und seinen ehemaligen Feinden niemals gestellt: Israel würde nicht mehr existieren. Dieser Film fühlt sich nicht der Tagesaktualität verpflichtet, sondern fügt sich ein in den langen Zeitablauf der Geschichte. Er trägt zum tiefen Verständnis dessen bei, was von israelischer Seite aus die Ereignisse von heute vorbereitet und möglich gemacht hat. Er erzählt den langen Weg Israels bis hin zur Anerkennung durch 6 große Kriege hindurch und 46 Jahre permanenter Alarmbereitschaft. Dieser lange Weg wird eines Tages vielleicht zum Abschied von den Waffen führen mit allen damit verbundenen Chancen, Hoffnungen und Risiken.”

Vorführung im Originalton (frz.) mit Untertiteln, 290 min

Am Montag, den 9. November 2009 um 20:00 Uhr im Kult41. (Hochstadenring 41, an der Viktoriabrücke, Bonn-Nordstadt)

Eintritt frei

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